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Gesundheit

Urteil: Arztbewertungen müssen hingenommen werden

20. April 2012

Verschiedene Portale im Internet erlauben es ihren Nutzern, Bewertungen über ihre Ärzte abzugeben und sich im Falle eines Falles auch negativ über diese zu äußern. Viele Ärzte waren von dieser Möglichkeit jedoch nicht angetan. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt musste nun Entscheidung in einem derartigen Fall treffen. (AZ.: 16 U 125/11).

 

Freies Recht auf Meinungsäußerung

Die Richter des OLG Frankfurt sahen die Bewertungen der Ärzte im Internet als Recht auf freie Meinung an. Da der Arzt die freie Wahl habe und sich nicht zwingend für seinen Beruf entschieden habe, dürfe er sich nun auch nicht darüber beschweren. Damit wies das Gericht die Klage einer Ärztin ab, die durch die Klage die Löschung ihrer Bewertungen im Internet sowie der Anzeige ihrer Daten erreichen wollte. Ihre Meinung argumentierte die Ärztin damit, dass die Bewertung ihrer Leistungen nicht vereinbar mit dem Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient sei.

 

Revision vor dem Bundesgerichtshof möglich

Die Richter erklärten in ihrer Urteilsverlesung zudem, dass jeder Leser einer derartigen Webseite wisse, dass es sich bei den Meinungen um die Meinungen von einzelnen Privatpersonen handele und nicht um wissenschaftlich begründete Meinungen. Da das Urteil dieses Falls jedoch von grundsätzlicher Bedeutung sein dürfte, darf die Ärztin vor dem Bundesgerichtshof Karlsruhe in Revision gehen, um so ein Grundsatzurteil zu erwirken.

 

 

Ähnlicher Fall bereits im letzten Jahr

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Psychotherapeut vor dem OLG Hamm geklagt, da dieser durch eine negative Bewertung seine Existenz gefährdet sah. Jedoch auch in diesem Fall lehnten die Richter die Klage ab. Sie begründeten das Urteil damit, dass der Mann nicht ausreichend beweisen konnte, dass ihm durch die negative Bewertung im Internet ein finanzieller Schaden entstanden sei – Der Mann hatte auf Schadensersatz geklagt.

 

Ärzte kritisieren Bewertungsportale

Aber auch viele weitere Hautärzte und medizinische Dienstleister kritisieren die Bewertungsportale im Internet zunehmend. Viele der Ärzte fürchten sich vor schlechter Kritik und persönlichen Angriffen. Viele der Internetportale sichern die Bewertungen jedoch durch eine redaktionelle Kontrolle ab, sodass keine Schmähkritik an die Öffentlichkeit gelangen kann.

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