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GKV

TK-Chef fordert Ende des dualen Systems

11. April 2012

Immer mehr Kassenchefs fordern mittlerweile die Zusammenlegung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. So auch Norbert Klusen, der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK). Ein derartiger Schritt sei einer Meinung nach am besten durch die Umwandlung der gesetzlichen Krankenversicherer in Aktiengesellschaften möglich, so Klusen. Dies äußerte der Kassenchef in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD).

 

Kooperation von GKV und PKV denkbar

Klusens Ansicht nach zufolge wäre es nur fair, wenn sowohl die gesetzliche als auch die private Krankenversicherung im Wettbewerb mit gleichen Bedingungen um neue Kunden kämpfen könnten. Neben einer ständigen Konkurrenz sei jedoch auch eine Kooperation der gesetzlichen mit der privaten Krankenversicherung denkbar. Um eine möglichst einfache Aufhebung der Grenzen des dualen Systems zu ermöglichen, schlug Klusen vor, die gesetzlichen Krankenversicherer entweder in Aktiengesellschaften oder in Versicherungsvereine umzuwandeln.

 

AOK Chef fordert Ende der PKV

Neben Klusen fordern auch weitere Krankenkassenchefs wie beispielsweise Jürgen Graalmann, Chef der AOK, ein Ende der privaten Krankenversicherung bzw. des Zweiklassensystems. Die größte Frage sei, ob es angesichts der derzeitigen Entwicklung auch weiterhin sinnvoll sei, die PKV und die GKV in einem dualen System voneinander zu trennen, so Klusen. Der aktuelle Unterschied beider Systeme beläuft sich im Bereich der Klientel vor allem auf Besserverdiener und bestimmte Berufsgruppen. Jedes System, sowohl PKV als auch GKV, haben dabei einige ganz eigene Probleme, die sich mit einem Zusammenschluss beider Systeme zumindest zum Teil durchaus lösen lassen würden und so für eine deutliche Verbesserung sorgen würden.

 

 

Beide Systeme kämpfen mit Problemen

Der gesetzlichen Krankenversicherung wird derzeit oft nachgesagt, dass Leistungen immer weiter reduziert würden und dies trotz steigender Beiträge und Überschuss im vergangenen Jahr. Die private Krankenversicherung hat derweil mit steigenden Beiträgen und vielen selbstverschuldeten Problemen zu kämpfen. Mit seinen Forderungen dürfte TK-Kassenchef Norbert Klusen nun für neuen Diskussionsstoff gesorgt haben. Sollte es zu einer Verschmelzung der beiden Systeme kommen, so könnte die gesetzliche Krankenversicherung jedoch aufgrund ihrer Mitgliederzahlen deutlich im Vorteil sein. Wie sich dies dann auf den Markt auswirken könnte, können Experten bisher nur erraten. Aktuell sind rund 72 Millionen Menschen gesetzlich versichert, die privaten Kassen weisen dagegen „nur“ 9 Millionen Versicherte auf.

 

Systeme sollen Privilegien behalten

Der größte Vorteil einer derartigen Verschmelzung wäre vor allem der, dass die gesetzlichen Krankenversicherer ihren Versicherten deutlich mehr zusätzliche Leistungen anbieten könnten. Die derzeitige, einkommensabhängigen Finanzierung des gesetzlichen Systems sowie dem bisherigen Leistungskatalog sollen jedoch zunächst einmal keine Veränderung vorgenommen werden, erklärten Gutachter. Im Gegenzug sollen die privaten Krankenversicherer auch weiterhin das Recht behalten, eine Versicherung abzulehnen, wenn Ihnen das Risiko zu hoch erscheint.

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