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PKV

Private Krankenversicherung: Unisex-Tarife auf dem Prüfstand

26. Mai 2011

Mit einem Urteil des EuGH vom 01. März 2011 steht nun fest: Die unterschiedlichen Beitragssätze zwischen Männern und Frauen bei Tarifen in der PKV verstoßen gegen das Gleichberechtigungsprinzip. Somit sind nun alle PKV gezwungen einen „PKV Unisex-Tarif“, also einen geschlechtsneutralen Tarif, anzubieten. Doch dies hat weitreichende Folgen für die potenziellen Versicherten und den aktuellen Bestand.

 

Besonders junge Männer und ältere Frauen werden zur Kasse gebeten

Durch das Urteil wurden die bisher höheren Beiträge für Frauen, welche statistisch öfter beim Arzt sind, angegriffen und als nicht zulässig erklärt. Daher müssten besonders junge Männer mit einer saftigen Beitragserhöhung der PKV rechnen, aber auch ältere Frauen müssten in diesem Fall, laut Aussage der Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), mit einer Erhöhung von bis zu 15 % rechnen.

 

Noch völlig unklar ist allerdings die rechtliche Durchführbarkeit dieses Planes. Eine Erhöhung in dieser Größenordnung ist ein Eingriff in viele bestehende Verträge. Das wäre dann nur mit Einwilligung des Kunden möglich, so Oliver Brand von der UniMannheim. Jede andere Maßnahme in dieser Richtung wäre verfassungswidrig.

 

Neue Berechnung der privaten Krankenversicherung nötig

Aber auch andere Optionen, nämlich nur Veränderungen bei den Neukunden, sind alles andere als rosige Aussichten für die Versicherer. In diesem Fall ist damit zurechnen, dass einige Bestandskunden kurzerhand den PKV Tarif wechseln – nämlich dann, wenn dieser für sie günstiger wird. So oder so muss laut Deutscher Aktuarvereinigung die PKV auf den Unisex-Tarif reagieren. Wie genau die Reaktion am Ende allerdings aussehen wird, darüber herrscht nach wie vor keine wirkliche Klarheit. Im Gegenteil – mittlerweile sind auch die Versicherten verunsichert, wie sie sich verhalten sollen. Ein überstürzter Versicherungswechsel kommt in jedem Fall nicht in Frage.

 

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