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PKV

Private Krankenversicherung nur für Beamte gut?

8. August 2012

Die Private Krankenversicherung (PKV) machte erst wieder vor wenigen Tagen von sich reden. Vier PKV-Anbieter kündigten für das Jahr 2013 zum Teil zweistellige Beitragserhöhungen an. Für wen ist eine Private Krankenversicherung überhaupt attraktiv? Wer sollte besser die gesetzliche Krankenversicherung wählen? Wie können PKV-Versicherte wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln? Björn Gatzer, von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) sprach in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ über dieses Thema.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung kaum möglich

In dem Interview legte Gatzer dar, dass eine Rückkehr in das gesetzliche Versicherungssystem nicht so einfach möglich sei. So gelte für Selbstständige, dass diese, wenn sie sich einmal für die private Krankenversicherung entschieden haben, eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung kaum noch möglich ist. Lediglich Selbstständige, die eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen haben und ein Jahr arbeitslos gemeldet sind, können überhaupt wechseln. Dies gilt zudem nur für PKV-Versicherte, die das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, so Gatzer. Zudem gilt die Jahresarbeitsentgeltgrenze als Maßstab. Angestellte, die privat krankenversichert sind, können nur dann in das gesetzliche Krankenversicherungssystem wechseln, wenn diese mindestens ein Jahr lang unter der Grenze von derzeit 50850 Euro pro Jahr verdienen.

Freiwilliger Einkommensverzicht unter Jahresarbeitsentgeltgrenze

Gatzer betont, dass es nicht illegal sei, sich mit dem Arbeitgeber darauf zu einigen, dass ein freiwilliger Einkommensverzicht möglich ist, um unter die Grenze von 50850 Euro zu kommen. Auch für diesen Fall gilt jedoch die Grenze von 55 Jahren als „Schallgrenze“ für einen Wechsel in das gesetzliche Krankenversicherungssystem. Als Grund hierfür gibt der Gesetzgeber an, dass es nicht gewollt sei, in jungen Jahren die günstigen Tarife der PKV in Anspruch zu nehmen und im Alter, wenn die Krankheitskosten steigen, dann der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Last zu fallen.

Rückkehr in die GKV bei anerkannter Schwerbehinderung möglich

Allerdings gibt es eine Ausnahme, so Gatzer. Im Falle einer anerkannten Schwerbehinderung hat der PKV-Versicherte drei Monate Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung einen Aufnahmeantrag zu stellen. Allerdings gibt es für die gesetzliche Krankenversicherung in diesem Fall keine Pflicht zur Aufnahme. Je nach Krankenkasse gibt es für die Aufnahme festgelegte Altersgrenzen bis zu denen eine Aufnahme überhaupt möglich ist, so Gatzer in dem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Gatzer betont allerdings auch, dass es den „worste case“ geben könne.

Unter Umständen droht im Alter der Gang zum Sozialamt

Dieser liegt nämlich dann vor, wenn ein Selbstständiger über 55 Jahre alt ist, aber keine Aufträge mehr erhält. In diesem Fall hat der PKV-Versicherte allenfalls die Möglichkeit in den Basistarif der PKV zu wechseln. Allerdings hat dieser Tarif vielfach den Nachteil, dass Ärzte sich weigern, nach dem Basistarif abzurechnen. Die Arztwahl kann somit erschwert werden. Im schlimmsten Fall bleibt dem Selbstständigen ohne Aufträge dann nur noch der Gang zum Sozialamt. Insbesondere Rentner, die eine Rente in Höhe von 600 oder 700 Euro erhalten, können aufgrund von PKV-Beiträgen, die oftmals in gleicher Höhe monatlich angesetzt werden wie die Rente, die Beiträge zur PKV nicht mehr bezahlen. Als Vorteil der PKV bezeichnet Gatzer neben günstigen Beiträgen in jungen Jahren, insbesondere die teilweise bessere Behandlung beim Arzt. Allerdings betont Gatzer, dass auch bei der PKV zunehmend Leistungen gekürzt werden, weil der Kostendruck im Gesundheitswesen steigt.

PKV für beihilfeberechtigte Beamte lohnenswert

Nach Aussage von Björn Gatzer lohnt sich eine Private Krankenversicherung lediglich für Beamte wirklich. Alle anderen PKV-Versicherungsberechtigten müssen hingegen mit hohen Beitragssteigerungen rechnen. Für beihilfeberechtigte Beamte hingegen lohnt sich die PKV durchaus, so Gatzer. Sie können sich zu einem günstigen Spezialtarif in der PKV versichern.

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