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Subventioniert die PKV die GKV?

PKV trägt Großteil der Kosten im dualen Gesundheitssystem

17. Januar 2017

Wer trägt die hauptsächlichen Kosten im dualen Gesundheitssystem in Deutschland? Die Private Krankenversicherung oder die gesetzlichen Krankenkassen? Eine Analyse zeigt, wie viel die aktuell gescholtene PKV zum Funktionieren des Gesundheitssystems beiträgt.

PKV GKV Kosten

Die Private Krankenversicherung trägt Großteil der Kosten im dualen Gesundheitssystem

Pünktlich zum Wahljahr 2017 kommt auch das Thema Bürgerversicherung wieder an die Oberfläche. Die SPD schreibt deren Einführung wieder ins Wahlprogramm, nachdem sie im Koalitionsvertrag mit der CDU in der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode weit hinter ihren Ansprüchen zurückgeblieben ist.

Grüne und Linke unterstützen die Bürgerversicherung, haben aber zum Teil deutlich andere Vorstellungen, wie ein mögliches Konzept aussehen könnte. CDU und FDP vertreten weiter ihre ablehnende Haltung und möchten am dualen System aus gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) festhalten.

Der Informationsdienst „Versicherungsbote“ analysierte aus diesem Anlass einige Zahlen aus dem deutschen Gesundheitswesens und kommt dabei zu erstaunlichen Ergebnissen, die Branchenkenner allerdings kaum überraschen dürften.

Versicherte in der privaten Krankenversicherung zahlen für schnelle Termine und Zeit beim Arzt

Der häufigste Vorwurf, der gegen Ärzte in Bezug auf das duale System der Krankenversicherung gerichtet wird, ist die Bevorzugung der Privatpatienten bei der Terminvergabe. Und in der Tat, wer als gesetzlich Versicherter nicht gerade lebensbedrohlich erkrankt ist, muss beispielsweise Rückenschmerzen einige Zeit länger ertragen als ein gleichartig betroffener Versicherter in der PKV. Der Privatpatient erhält beim Facharzt möglicherweise keine andere Behandlung, aber auf jeden Fall erhält er sie schneller.

Bevorzugung von Privatpatienten kommt PKV teuer zu stehen

Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass sich der Arzt seinen Service teuer bezahlen lässt. Und das ist ein Milliardengeschäft. Würden alle Gesundheitsleistungen für Privatpatienten zu Kassenpreisen abgerechnet, wäre das 12 Milliarden Euro billiger – pro Jahr. Anders herum gesagt: Jeder der 8,8 Millionen PKV-Versicherten zahlt jährlich knapp 1.400 Euro mehr für seine Gesundheit als ein Kassenpatient, gleiche Leistungen unterstellt.

Das klingt zunächst nach einem begrüßenswerten Sparpotenzial. Fakt wäre aber auch: Dem Gesundheitssystem würden Jahr für Jahr genau diese 12 Milliarden Euro fehlen. Die Grundlagen der Berechnung stammen aus dem Jahr 2014, und sie zeigen eine rasch zunehmende Tendenz. Heute dürfte es schon deutlich mehr sein.

Beitragssätze der GKV müssten steigen

Die größten Ausfälle wären mit knapp 6 Milliarden Euro bei den ambulanten ärztlichen Leistungen und mit mehr als 3 Milliarden Euro in der Zahnmedizin entstanden. Der Rest verteilt sich auf Medikamente, Heil- und Hilfsmittel und dergleichen. Stationäre Leistungen sind nur mit 0,7 Milliarden Euro dabei.

Solange Arzthonorare nicht auf breiter Front sinken, was erstens nicht zu erwarten ist und zweitens auch mit einer deutlich schlechteren Versorgung vor allem in der Fläche einhergehen würde, hätte eine Abschaffung der PKV eine klare Konsequenz: Die Beiträge in der GKV müssten steigen – geschätzt um einen vollen Prozentpunkt.

Zu wessen Lasten geht diese Beitragssteigerung?

Dazu muss man wissen, dass die ursprünglich paritätische Finanzierung der GKV durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer schon seit 2005 nur noch sehr eingeschränkt gilt. Die aktuelle Rechtslage sieht vor, dass nur noch der allgemeine Beitragssatz von 14,6 % hälftig geteilt wird.

Der Arbeitgeberanteil von 7,3 % ist sozusagen eingefroren, individuelle Zusatzbeiträge trägt allein der Arbeitnehmer. Eine Erhöhung um einen Prozentpunkt würde den Versicherten mit maximal 522 Euro im Jahr (Stand 2017) treffen, da der Mehrbeitrag maximal von der Beitragsbemessungsgrenze berechnet wird.

Eine Bürgerversicherung müsste gegensteuern

Nun bedeutet das Konzept der Bürgerversicherung nicht einfach die Abschaffung der PKV. Der Vorschlag einer einheitlichen Krankenversicherung für alle wird im Detail unterschiedlich ausformuliert. Die solidarische Finanzierung stünde auf breiteren Beinen, wenn nicht nur besser verdienende Arbeitnehmer einbezogen sind, sondern auch Selbstständige und Beamte (siehe dazu die Studie zur Beamtenbeihilfe in der PKV).

Ein Wegfall oder zumindest eine deutliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze spült Geld in die Kasse, das von Beziehern hoher Einkommen stammt. Das vermindert die Notwendigkeit einer späteren Umverteilung.

Kapitalerträge und Mieteinnahmen bald zum Krankenversicherungsbeitrag einbezogen?

Einige Vorschläge zur Bürgerversicherung beziehen neben dem Arbeitseinkommen auch andere Einkunftsarten wie Kapitalerträge und Mieten ein, also ähnlich wie bei der Einkommensteuer. Auch dies ist unter dem Aspekt sozialer Ausgewogenheit sicher bedenkenswert, bedeutet aber auch einen erheblichen Verwaltungsaufwand und schafft Anreize, sein Geld im Ausland zu parken.

Wer auch immer sich nach der Wahl an einer neuen Reform des Gesundheitswesens versuchen wird: Eine Finanzierung ohne die Private Krankenversicherung würde zur schweren Hypothek.

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