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PKV

PKV: So kalkulieren die Versicherer die Beiträge

28. August 2015

Da die private Krankenversicherung (PKV) hinsichtlich der Beitragsberechnung anders funktioniert als die gesetzliche Krankenversicherung, gilt es für den Versicherungsnehmer beziehungsweise den Interessenten einige Besonderheiten zu beachten, um das System PKV verstehen zu können.

PKV muss bei Beitragsberechnung gesetzliche Vorgaben beachten

In der gesetzlichen Krankenkasse wird ein festgelegter prozentualer Beitragssatz vom Gehalt einbezogen.
Die private Krankenversicherung indes ist unabhängig vom Einkommen und bemisst sich nach dem zwischen der privaten Krankenversicherung und dem Versicherungsnehmer abgeschlossenen individuellen Versicherungsschutz. Das bedeutet allerdings nicht, dass die PKV-Versicherer hinsichtlich Ihrer Kalkulation völlig frei handeln können. Die Berechnung der Beiträge erfolgt nach einer speziellen mathematischen Formel und basiert auf gesetzlichen Grundlage. Mögliche Beitragsveränderungen setzen sich zusammen aus der Anwendung unterschiedlicher statistischer Erhebungen und Berechnungsformeln. Dabei verfolgt die private Krankenversicherung folgende Grundsätze:

1.) Die gesunden schultern mit ihren Beiträgen die Kranken.
2.) Der Versicherungsschutz berücksichtigt die persönlichen und individuellen Versicherungsbedürfnisse des Versicherungsnehmers
3.) Jede der versicherten PKV-Altersgruppe sorgt für sich selbst vor und verursacht damit, anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung, nicht eine Belastung nachfolgender Versicherungsgenerationen.

Die PKV und das Äquivalenzprinzip

Die Berechnung der Beiträge basiert hierbei auf dem Äquivalenzprinzip. Das bedeutet, dass bei Eintritt in die private Krankenversicherung das jeweilige Krankheitsrisiko in Bezug auf die Altersgruppe des Versicherungsnehmers zugrunde gelegt wird. Danach bemisst sich der Beitrag. Der Vorteil hierbei ist der, dass bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherungsnehmers zunächst keine Auswirkungen auf den individuell vereinbarten Versicherungsbeitrag zu erwarten sind. Das bedeutet eine individuelle Beitragserhöhung infolge einer Erkrankung erfolgt durch die PKV nicht.

Individuelle Situation des Versicherten bestimmt den Beitragssatz

Um den Versicherungsbeitrag seitens der PKV kalkulieren zu können, müssen bestimmte Parameter des Versicherungsnehmers berücksichtigt werden. Einerseits ist dies der Umfang der gewünschten Versichertenleistung. Ist beispielsweise ein Einbettzimmer oder ein Mehrbettzimmer im Falle einer stationären Behandlung gewünscht? Sollen Naturheilverfahren ebenfalls unter den Versicherungsschutz fallen etc.?

Daneben wird auch das Alter des Versicherten zu Beginn des PKV-Versicherungsschutzes berücksichtigt. Je jünger der Versicherungsnehmer ist, umso niedriger ist der individuelle Eintrittsbeitrag. Schließlich wird als Berechnungsgrundlage auch der individuelle Gesundheitszustand des Versicherten bei Versicherungsbeginn berücksichtigt. Dabei werden individuelle Krankheitsrisiken oder bereits vorhandene Erkrankungen als Versicherungsrisiko aufgefasst und seitens der PKV mit einem Zusatzbeitrag belegt. Besteht bereits eine relevante Vorerkrankung, kann die PKV den Versicherungsschutz auch vollständig verweigern.

Von dieser Regel gibt es jedoch eine Ausnahme. Ein neugeborenes Kind wird ohne Risikozuschläge versichert, unabhängig vom Gesundheitszustand des Neugeborenen. Voraussetzung hierzu ist allerdings dass der Antrag auf PKV-Versicherung innerhalb zwei Monate nach der Geburt erfolgt. Als weiteres Kalkulationskriterium wird auch das Geschlecht (gilt nur für Versicherte die vor dem 21. Dezember 2012 versichert wurden) berücksichtigt. Grundlage hierfür ist die höhere Lebenserwartung von Frauen.

PKV und die Generationengerechtigkeit

Um den Beitrag berechnen zu können, muss die PKV zudem mehrere gesetzliche Grundlagen beachten. Einerseits ist es das so genannte Versicherungsvertragsgesetz (VVG), andererseits muss auch das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und schließlich die so genannte Kalkulationsverordnung (KalV) berücksichtigt werden. Da die private Krankenversicherung Altersrückstellungen bildet, um einerseits den Versicherungsbeitrag im Alter nicht exorbitant ansteigen zu lassen, andererseits aber auch die übrigen Versicherten nicht durch Beitragssteigerungen zu belasten, gilt der Grundsatz der Generationengerechtigkeit.

Das bedeutet, je später der Wechsel in die private Krankenversicherung erfolgt, umso kürzer ist die Zeit, in der Altersrückstellungen gebildet werden können. Dies bewirkt, dass junge Versicherungsnehmer einen relativ günstigen Beitrag bezahlen, während PKV-Versicherte in einem späteren Alter einen höheren Beitrag entrichten müssen. Die private Krankenversicherung basiert damit anders als die gesetzliche Krankenversicherung auf dem Grundsatz der Generationengerechtigkeit. Während die gesetzliche Krankenversicherung unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand sämtlicher Versicherten einen festgelegten gesetzlichen Beitragssatz kalkuliert, berechnet die private Krankenversicherung individuell und durch Bildung der Altersrückstellungen erfolgt keine Belastung der jüngeren Generation.

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