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PKV

PKV: PKV-Verbandschef äußert sich zur Bürgerversicherung

26. März 2012

In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärt PKV-Verbandschef Rheinhold Schulte, welche Sorgen ihm die mögliche Einführung der Bürgerversicherung bereitet. Zudem gibt er Auskunft zum aktuellen Standpunkt der PKV und erklärt, welche Nachteile die Bürgerversicherung für den gesamten Versichertenbestand hätte.

 

Nachteile der Bürgerversicherung

Sollte es zu einer Einführung der Bürgerversicherung kommen, so wäre das aktuelle duale System nicht mehr existent. Versicherte könnten dann künftig nicht mehr zwischen privater und gesetzlichen Krankenversicherung wählen und müssten sich einem Einheitssystem unterordnen. Ein echter Wettbewerb dürfte dann, zumindest im Bereich der Krankenvollversicherungen nicht mehr existieren, was sich kurz- oder langfristig negativ auswirken dürfte. Als bestes Beispiel für die Nachteile der Bürgerversicherung nannte Schulte die aktuelle Situation des Gesundheitssystems in Großbritannien. Dort hätte Versicherte keine freie Arztwahl und die Versorgungsstruktur für Menschen mit mehr bzw. weniger Geld sei deutlich voneinander getrennt. Deutlicher könne eine Zweiklassenmedizin nicht sein, so Schulte.

Zudem dürfte sich die Bürgerversicherung auch negativ auf die Arbeitsplätze auswirken, da Bürgerversicherung eine Sondersteuer auf Arbeitsplätze implementiert hat. Durch den Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze dürften Versicherten zudem höhere Beiträge drohen sowie ein niedrigeres Nutzen aus zukünftigen Lohnerhöhungen.

 

Private Krankenversicherung nach wie vor beliebt

Die Aussage, die private Krankenversicherung sei am Ende, entgegnete Schulte damit, dass auch im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr Versicherte in die PKV gewechselt seien, als umgekehrt. Dies zeige deutlich, dass die PKV auch nach wie vor bei Versicherten beliebt sei, so Schulte. Alle anderen Behauptungen seien schlichtweg falsch, argumentiert der PKV-Verbands-Chef. Ganz im Gegenteil, der Abstand zwischen Abwanderern und Neuzuwächsen habe sich im Gegenzug zum Vorjahr sogar noch zugunsten der privaten Krankenversicherung verbessert.

 

 

Provisionsbegrenzung ab 01. April

Bei den Provisionen für Versicherungsvermittler musste Schulte jedoch einen Fehler einräumen. Man habe versucht, die private Krankenversicherung für Versicherte durch übermässige Provisionszahlungen attraktiver zu machen. Man sei daher überzeugt, dass sich durch die neue Provisionsregelung von maximal 9 Monatsbeiträgen und einer neuen Stornohaftungszeit von 5 Jahren einiges bessern dürfte. Auch die Abschlussquoten der Krankenversicherer dürften von dieser Entwicklung deutlich profitieren, so Schulte.

 

Aufregungen um Beitragserhöhungen unbegründet

Auf die Frage, ob die Beitragserhöhungen Anfang des Jahres für eine Ruinierung des Rufes der privaten Krankenversicherung gesorgt hätten, entgegnete Schulte, das hier allem die hysterischen Berichte vieler Medien für die „ Massenpanik“ verantwortlich sei. Viele Medien berichteten von überhohen Beitragsanpassungen, teils im mittleren zweistelligen Bereich. Die durchschnittliche Beitragserhöhung habe jedoch nur bei rund 2 Prozent gelegen, wie der map-Report errechnete. In rund 45 Prozent aller Tarife habe zudem überhaupt keine Beitragserhöhung stattgefunden.

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