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Politik

Pflegenotstand in Ostdeutschland?

16. April 2014

Pfleger werden knapp

Pfleger werden knapp

In vielen Bereichen ist unverständlicherweise auch nach über 20 Jahren die Wiedervereinigung nicht angekommen. Renten werden unterschiedlich berechnet und viele Löhne ebenfalls. Was jedoch in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist: auch die Vergütungen in der Pflege sind verschieden.

Welche Bundesländer haben die Nase vorn?

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes bringt Ergebnisse wie diese: die Vergütung in Pflegestufe 3, also wenn der Patient rund um die Uhr versorgt werden muss, beträgt in Baden-Württemberg pro Tag knapp 83 Euro, in Sachsen-Anhalt dagegen nur knapp 60 Euro. Doch woher kommt die Differenz von rund 28 %?

Differenz zwischen alten und neuen Bundesländern

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis: in den alten Bundesländern wird wesentlich mehr gezahlt als in den Neuen. Denn im Ranking liegen neben Sachsen-Anhalt auch Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ganz hinten. Gut stehen dagegen Nordrhein-Westfalen, Hamburg, das Saarland und Berlin da.

Wie kommt es zu diesen Unterschieden?

Die Kosten für eine solche vollstationäre Pflege setzen sich aus verschiedenen Teilen zusammen: zum einen dem Pflegesatz der Kasse und dem, was für Unterbringung und Verpflegung gezahlt werden muss. Die Löhne, die in Ost und West für die Pflegekräfte gezahlt werden, sind jedoch eklatant verschieden. Wer in der Pflege tätig ist, bekommt in Westdeutschland rund 2.500 Euro Gehalt, im Osten dagegen nur rund 2.000 Euro. Das sind 18 % weniger für die Pfleger; zudem sind Heimkosten und Arzthonorare im Osten geringer. Doch mit welcher Begründung?

Überalterung der ostdeutschen Bevölkerung?

Statistiken sagen aus, dass im Osten des Landes die Bevölkerung besonders stark altert. Doch wie kann es dazu kommen? Die Abwanderung junger Menschen wegen Ausbildung und Beruf sowie die niedrigen Geburtenraten in den Jahren nach der Wende schlagen jetzt zu Buche. Im Jahr 30, so hat man errechnet, wird jeder 3. in Ostdeutschland älter als 65 sein. Der Bedarf an Pflegekräften wird also steigen.

Fachkräfte lehnen sich auf

Dass die Pflege eines Menschen eine anstrengende und auch körperlich aufreibende Arbeit ist, wird niemand in Frage stellen. Dass dies schlecht bezahlt wird, ist ein Unding, mit dem immer weniger Pflegekräfte leben wollen. Das Ergebnis: viele Stellen bleiben unbesetzt. In Sachsen-Anhalt und Thüringen kamen im Jahr 12 auf rund 300 freie Stellen nur rund 120 qualifizierte Bewerber. Die Pfleger sind in der Folge überarbeitet und müssen durch Überstunden das fehlende Personal ausgleichen.

Pflegerknappheit auch im Westen

Doch auch im Westen des Landes werden die guten und qualifizierten Pfleger knapp. Laut dem Statistischen Bundesamt wird es bis zum Jahr 2025 einen Pflegekräfte-Mangel geben, der ungefähr 150.000 Stellen umfasst. Der Vorstand des Spitzenverbandes der GKV fordert deshalb, dass die Attraktivität des Berufes erhöht werden muss. Bessere Arbeitsbedingungen gehören ebenso dazu wie eine höhere Bezahlung und attraktive Aufstiegschancen.

Das Fazit

Jeder möchte alt werden, und dass er dabei früher oder später auf Hilfe angewiesen ist, dürfte jedem klar sein. Dennoch ist die Selbstständigkeit, die mit den Jahren verloren geht, nicht immer durch die Familie aufzufangen. Also bleibt es nur, sich eine fremde Pflegeperson, in welcher Form auch immer, zu engagieren. Ob zu Hause oder im Heim, hängt von den Gegebenheiten ab. Doch wenn die Bezahlung der Pflegekräfte nicht besser wird, kann in absehbarer Zeit kaum mehr auf neue Fachkräfte zurückgegriffen werden.

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