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PKV

Pflege-Riester Versicherung in der Kritik

13. Juni 2012

Kurz nach dem Beschluss des Bundeskabinetts zum Pflege-Riester gibt es einen Streit zwischen den unterschiedlichen Interessenverbänden. Während der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) die Pflege-Riester-Versicherung befürwortet, wettert der Bund der Versicherten (BdV) gegen das Vorhaben.

PKV: Pflege-Riester sinnvoll

Der PKV-Verband sieht indes in der Pflege-Riester-Versicherung eine Möglichkeit der staatlichen Unterstützung der Bürger beim Schutz vor einem Pflegerisiko. Dies teilte der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Volker Leienbach, mit. Leienbach sieht die Pflege-Riester-Sparform deshalb als sinnvoll an, weil die Zahl der Pflegebedürftigen sich in naher Zukunft mehr als verdoppeln werde. Allerdings hegt Leienbach Zweifel daran, ob die Fördersummen ausreichen, um die Bereitschaft der Bürger zu steigern, für das private Pflege-Risiko vorzubeugen.

Das Bundesgesundheitsministerium gab derweil bekannt, dass alle gesetzlich Versicherten, unabhängig vom persönlichen Einkommen, einen jährlichen Zuschlag von 60 Euro als Pflege-Zusatzversicherungsprämie erhalten sollen.

Bund der Versicherten (BdV): Pflege-Riester zu bürokratisch

Der Bund der Versicherten kritisierte indes die, mit den Riester-Pflegeverträgen verbundenen bürokratischen Hürden, die alle Möglichkeiten einer effizienten Vertragsführung zunichtemachen würden. Dies sagte der Chef des BdV, Axel Kleinlein gegenüber der Presse. Kleinlein bezweifelt, dass es vielen Versicherern möglich sein wird, bezahlbare Tarife für die Kunden anzubieten. Dies gilt insbesondere für diejenigen mit geringem Einkommen.

Hintergrund dieser Annahme ist die Tatsache, dass kein Versicherter aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen abgelehnt werden darf. Die Folge wird sein, so die Befürchtungen auch einiger Experten, dass Gesunde die ungeförderten Angebote wahrnehmen werden, weil diese auf dem Versicherungsmarkt günstiger als die Pflege-Riester-Verträge sein werden.

Experten: Pflege-Riester sorgt für weitere gesellschaftliche Spaltung

In den Pflege-Riester-Verträgen würden sich nach Ansicht vieler Experten daher zukünftig vorwiegend Arme und Kranke wiederfinden. Die Schere zwischen gesund und wohlhabend und arm und krank würde durch die neue Pflege-Riester-Versicherung weiter auseinandergehen, befürchten viele Experten. In diesem Punkt sieht auch der PKV-Verband Verbesserungsbedarf. Auch der PKV-Verband sieht die Gefahr einer Verteuerung der Pflege-Riester-Verträge durch die gesetzlich garantierte Annahmepflicht der privaten Pflegeversicherer.

FDP: Initiatorin der Pflege-Riester-Idee

Die Initiative zur Pflege-Riester-Versicherung geht von der FDP aus und hat zum Inhalt, dass alle Bürger private Vorsorge für den Pflegefall treffen sollen. Wenn keine Pflegebedürftigkeit eintritt, ist der eingezahlte Beitrag allerdings auch verloren. Auch aus diesem Grund dürften viele Bürger von dem Modell der privaten Pflege-Riester-Versicherung Abstand nehmen. Ob das Modell der Pflege-Riester-Versicherung auch nach der Bundestagswahl 2013 noch Bestand haben wird, darf zudem bezweifelt werden.

Sollte die derzeitige Opposition die Wahlen gewinnen und eine Bürgerversicherung als neue Vollkrankenversicherung durchsetzen, könnte auch das Modell „Pflege-Riester“ schon bald wieder in der „Mottenkiste“ verschwinden. Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, finanziell Vorsorge für den Pflegefall zu treffen. Deshalb darf das neue Pflege-Riester trotz aller Mängel nicht grundsätzlich verteufelt werden und sollte zumindest nach eingehender Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsmakler in Erwägung gezogen werden, sofern diese Sparform finanziell für den Einzelnen tragbar ist.

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