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Pflegeversicherung

„Pflege-Bahr“ besser als ihr Ruf?

13. März 2014

Pflege-Bahr - ein notwendiger Vertrag?

Pflege-Bahr – ein notwendiger Vertrag?

Die zusätzliche Pflegeversicherung mit dem landläufigen Namen „Pflege-Bahr“ erlebt derzeit einen Boom, nachdem die Anlaufschwierigkeiten recht lange angehalten hatten. Immerhin rund 400.000 Personen haben einen solchen Vertrag in der Tasche – eine stattliche Zahl.

Staatliche geförderte Privatversicherung

Die vorige Bundesregierung hat es auf den Weg gebracht: das Unternehmen „Pflege-Bahr“. Diesen Namen bekam das Vorhaben wegen des damaligen Gesundheitsministers Daniel Bahr. Das Ziel: die Leute schließen eine private Vorsorge für den Pflegefall ab, und der Staat beteiligt sich an den Kosten. Die Besonderheit: für den Abschluss des Vertrages ist weder Alter noch Gesundheitszustand von Belang und es muss auch jeder einen Vertrag erhalten.

Zunächst herrschte Skepsis

Woran es lag, ist später immer schlecht zu sagen – aber in den ersten Monaten haben sich bundesweit nur rund 200 Kunden am Tag für einen solchen Vertrag und damit für diese Art der Vorsorge entschieden; heute sind es rund fünfmal so viel.

Seit gut einem Jahr möglich

Reichlich ein Jahr ist vergangen, seit der Einführung der neuen Versicherung. Damals gab es von der Regierung das „Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung“, das auch diese Verträge hervorbrachte. Wer die Versicherung abschließt, -sofern es ein entsprechender, förderfähiger Vertrag ist – bekommt monatlich 5 Euro zum Beitrag dazu.

Der private Anreiz soll gestärkt werden

Mit diesem „Geschenk“ sollten die Leute dazu angehalten werden, für den Pflegefall vorzusorgen. Denn dies ist angesichts der immer weiter steigenden Kosten für die Pflege unbedingt nötig – doch längst nicht jeder kann sich das leisten.

Die Lücke wird größer

Die Lücke zwischen der Zahlung der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten wird immer größer – Experten sprechen, je nach Pflegestufe, von bis zu 1.700 Euro monatlich. Da bei den meisten die Rente dafür nicht ausreichen wird, sind die Kinder in der Pflicht.

Massive Kritik an Pflege-Bahr

Kritik von allen Seiten mussten die Macher von Pflege-Bahr allerdings dennoch einstecken. Da kein Versicherter abgelehnt werden darf, egal welchen Alters und in welchem gesundheitlichen Zustand, waren die Versicherungen nicht gerade erfreut. Denn der Kontrahierungszwang ist im Allgemeinen eher unbeliebt. Die Versicherungen suchen sich gern junge und gesunde Menschen aus, wenn sie Krankheit und Alter versichern sollen.

Mit Pflegestufe ist der Abschluss nicht mehr möglich

Wer aber bereits pflegebedürftig ist und eine Pflegestufe zugesprochen bekam, darf den Vertrag nicht abschließen. Das ist der einzige Ausschlussfall. Entsprechende Risikoprüfungen sind ausgeschlossen. Das führt über kurz oder lang zu teuren Policen, waren sich die Kritiker einig.

Auch die Verbraucher sind nicht nur positiv gestimmt

Wird man als Inhaber einer solchen Versicherungspolice zum Pflegefall, muss man die Beiträge weiter entrichten. Die Befreiung vom Beitrag ist für den Leistungsfall nicht vorgesehen. Das stört die Verbraucherschützer gewaltig. Denn in den Pflegestufen 0 und 1 kann der Beitrag dann durchaus über der Leistung liegen. Das käme einer umsonst bezahlten Versicherung gleich.

SPD als harter Gegner

Im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl hat die SPD lauthals verkündet, „Pflege-Bahr“ wieder abzuschaffen. Doch es blieb der Partei nichts anderes übrig, als im Vorfeld der Koalition einzulenken und Zugeständnisse zu versprechen. Nun bleibt alles wie es ist und bis Ende des Jahres freut sich die Versicherungswirtschaft auf rund eine Million solcher Verträge.

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