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GKV

Nichtzahler auch für gesetzliche Krankenkassen ein Problem

27. August 2012

Im Jahre 2007 wurde die allgemeine Krankenversicherungspflicht eingeführt. Die Anzahl der Personen die keine Krankenversicherung besitzen verringert sich stetig. Insgesamt ging die Anzahl der nicht krankenversicherten Personen um rund 30 Prozent zurück. Im Jahre 2011 waren nur noch 137000 Personen ohne Krankenversicherung. Die Pflicht zum Abschluss einer Krankenversicherung hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Denn Verpflichtung zur gesetzlichen Absicherung ist das eine, die Möglichkeit den Krankenversicherungsschutz auch jeden Monat zu bezahlen, dass andere. Nichtzahler, also Versicherte mit Beitragsrückstand betreffen neben der PKV auch die gesetzlichen Krankenkassen.

Gab es bislang hauptsächlich aus der Privaten Krankenversicherung (PKV) zu vernehmen, dass diese unter einer hohen Quote sogenannter Nichtzahler zu leiden hat, so ist jedoch nahezu unbekannt, dass dieses Problem die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gleichermaßen betrifft. Auch in der GKV können oder wollen immer mehr Mitglieder ihre Beiträge nicht mehr zahlen. Der „Tagesspiegel“ berichtet, dass sich die Gesamtschuldenlast säumiger Zahler in der GKV um insgesamt 55 Prozent erhöht hat.

 

Besonders Selbstständige häufig unter den Nichtzahlern

Noch im August 2011 betrugen die Außenstände der GKV rund 1,08 Milliarden Euro. Ende Juni 2012 wuchsen diese auf bereits 1,67 Milliarden Euro an. Die Schuldsummen verteilen sich dabei sowohl auf Arbeitgeber als auch auf Privatpersonen. Insbesondere Selbstständige, die in der GKV freiwillig versichert sind, können die Beiträge oftmals nicht mehr entrichten. Auch Rückkehrer aus der PKV sind demnach unter den säumigen Zahlern der GKV auszumachen. Weil es eine Versicherungspflicht gibt, darf die GKV den säumigen Zahlern nicht kündigen. Das bedeutet jedoch, dass ähnlich wie bei der privaten Krankenversicherung nur in Notfällen wie Unfällen, Geburt und Schwangerschaft Leistungen durch die GKV übernommen werden.

Säumniszuschlag ab zweiten Monat Beitragsrückstand

Ab dem zweiten Monat eines Rückstandes muss die GKV hingegen einen Säumniszuschlag von fünf Prozent erheben. Als Ursachen für die zunehmende Anhäufung von Rückständen sehen Experten neben der zunehmenden Zahl der Privatinsolvenzen vor allem auch Probleme bei Selbstständigen. Durch die Erhebung des Säumniszuschlages kann indes die Situation nicht entschärft werden, im Gegenteil, die Schuldenlast steigt, ebenso wie die Zahl der Nichtzahler in der Krankenversicherung.

 

Private Krankenversicherungen ebenfalls von Nichtzahlern betroffen

Auch die Private Krankenversicherung kämpft seit geraumer Zeit mit Zahlungsproblemen eines Teils ihrer Mitglieder. Aktuell haben sich die Außenstände in der PKV auf etwa 550 Millionen Euro angehäuft. Verursacht wird dieser Rückstand von etwa 140000 Versicherten. Der PKV-Verband will nun einen sogenannten Nichtzahler-Tarif in der PKV einführen. Dieser soll etwa 150 Euro kosten und das absichern, was jedoch auch im Falle des Nichtzahlens des „Nichtzahlertarifs“ durch die Betroffenen, die PKV durch gesetzliche Vorgaben dazu verpflichtet dennoch zu bezahlen. Gemeint sind die Übernahme von Kosten in Notfällen wie Geburt, Unfall und Schwangerschaft. Insofern soll der Nichtzahlertarif für die Betroffenen wohl eher so etwas sein, wie eine Rückkehr zu den „ehrbaren Kunden“ der PKV.

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