zum Inhalt

GKV

Laboruntersuchungen: Werden Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten bevorzugt?

15. Mai 2012

Eine Studie des wissenschaftlichen Instituts der PKV zufolge veranlassen Ärzte für Privatpatienten rund 5 Mal so viele Laboruntersuchungen wie für Kassenpatienten. Der Ansicht des Laborgründers Dr. Dr. Fritz-Georg Staber zufolge, sollte die Diskussion jedoch von einem anderen Standpunkt her betrachtet werden.

 

Laboranordnungen bei Privatpatienten deutlich höher

Seiner Ansicht nach vergessen viele Experten häufig, dass das Basislabor durch die Vorgaben der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) rund 5 Mal so teuer sei, wie für Kassenpatienten. Man könne also nicht die Ausgaben der Versicherer für Laboruntersuchungen vergleichen, sondern müsse die Anzahl, der angeordneten Untersuchungen vergleichen. Bisher wurden Vergleiche lediglich aufgrund Berechnungen der Ausgaben der privaten Krankenversicherer getätigt. Staber verglich jedoch die Anzahl der verordneten Laboranforderungen miteinander, was gleich ein völlig anderes Bild zu Tage förderte. Hätte man aufgrund der Kostenunterschiede eine Verteilung von 90:10 erwartet, so gingen tatsächlich nur rund 65 Prozent der Anforderungen von privaten und 35 Prozent von gesetzlichen Krankenversicherern aus.

 

Labor-Rationalisierung bei Kassenpatienten?

Die Frage sei jedoch, ob nicht eventuell nicht die Privatpatienten zu viele, sondern die Kassenpatienten zu wenige Laboranforderungen erhielten? Seiner Meinung nach gäbe es bei den Kassenpatienten eine Art Rationalisierung, was ein deutlicher Skandal wäre. Schuld daran dürfte nach Stabers Meinung die „EBM-Ziffer 32001“ sein, die eine finanzielle Bestrafung von Ärzten vorsehe, die das vorgeschriebene Laborbudget überschreiten würden. Schuld daran sind jedoch nicht die Ärzte oder die Laborinhaber, sondern die Köpfe, die den entscheidenden Anstoß für diese Art von System gegeben haben, so Staber.

 

 

Anpassungen auf beiden Seiten notwendig

Um der Problematik entgegenzuwirken, sei es zwingend notwendig, neue  Regelungen für die GOÄ zu treffen, die eine Selbstzuweisung unterbinden würde. Denn der Studie des wissenschaftlichen Instituts der PKV zufolge stammen rund 80 Prozent der Laboranfragen nicht von Laborärzten, sondern von Gemeinschaften und Selbstzuweisern. Seiner Meinung nach liege das Niveau des EBM deutlich zu niedrig, während es im GOÄ Bereich auch Platz für Anpassungen nach unten hin gäbe. Eine Anpassung auf das niedrige Niveau des EBM müsse jedoch vermieden werden.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie