zum Inhalt

GKV

Krankenversicherung: Kaum Konsequenzen für Nichtzahler

7. Februar 2012

Die Zahl der Nichtzahler im dualen System steigt unaufhörlich weiter. Zwar haben zumindest viele private Krankenversicherer mittlerweile die Reißleine gezogen und viele der Billigtarife aus ihrem Portfolio entfernt, in der gesetzlichen Krankenversicherung hingegen stehen die Krankenversicherer dem Problem relativ machtlos gegenüber. Während die privaten Krankenversicherer mit einem Spezialtarif die Kosten für die nichtzahlenden Versicherten senken wollen, bleibt den gesetzlichen Krankenkassen lediglich die Möglichkeit, einige Leistungen zu streichen. Mit Konsequenzen für die ausbleibenden Zahlungen hat aber wohl keiner der Nichtzahler zu rechnen.

 

Knapp 800.000 Versicherte zahlen ihre Beiträge nicht

Addiert zahlen aktuell rund 782.000 Versicherte ihre Beiträge zur Krankenversicherung nicht. Dabei entfallen rund 144.000 Versicherte auf das private und 638.000 Versicherte auf das gesetzliche System. Allein in der privaten Krankenversicherung verursachten die Nichtzahler bisher einen Schaden von rund 550 Millionen Euro, der Schaden der GKV beläuft sich in etwa auf 1,2 Milliarden Euro. Möglichkeiten, dass Geld von den Versicherten einzutreiben, haben beide Systeme nicht. Mahnungen sowie Androhungen eines Inkassounternehmens bleiben häufig wirkungslos, denn wo nichts ist, da kann auch nichts geholt werden. Auch eine Kündigung des Versicherungsverhältnisses ist seit der Einführung der Versicherungspflicht 2009 nicht mehr möglich.

 

Möglichkeiten der Krankenversicherer „sehr begrenzt“

Auch die Versorgung der Versicherten darf nicht einfach unterbrochen werden. So können zwar bestimmte Leistungen ausgesetzt werden, eine Notfallversorgung muss jedoch weiterhin gewährleistet werden. Auch die Kosten für Behandlungen während der Schwangerschaft oder bei Unfällen müssen weiterhin von der Krankenversicherung übernommen werden. Der GKV-Verband bezeichnete die Möglichkeiten, gegen beitragssäumige Versicherte vorzugehen, als „sehr begrenzt“. Auch die privaten Krankenversicherer sind hier relativ machtlos. Häufig blieb ihnen bisher nur die Möglichkeit, den Versicherten neu einzustufen und dann in den Basistarif zu schieben. Durch den neuen Spezialtarif für Nichtzahler sollen nun jedoch zumindest die Kosten für die privaten Krankenversicherer gesenkt werden.

 

 

Probleme der PKV sind hausgemacht

Allerdings sind zumindest die Probleme der privaten Krankenversicherung hausgemacht. Viele Krankenversicherer lockten Neukunden mit günstigen Tarifen in das private System, obwohl sich diese Kunden die Beiträge zur PKV eigentlich gar nicht leisten konnten. Unter den Nichtzahlern befindet sich auch eine große Zahl von Selbstständigen, die sich mit ihrer Selbstständigkeit übernommen hatten und bereits nach kürzester Zeit die Beiträge zur privaten Krankenversicherung nicht mehr zahlen konnten. Fast alle Krankenversicherer haben mittlerweile jedoch reagiert und den Vertrieb der Billigtarife eingestellt. Viele Krankenversicherer haben zudem neue Bonitätsprüfungen sowie neue Annahmerichtlinien eingeführt, um die Aufnahme von nichtliquiden Neukunden in die PKV zu verhindern.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie