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GKV

Krankenkassen wollten etwas gegen Ärztemangel unternehmen

28. Februar 2014

Arztmangel nimmt zu

Arztmangel nimmt zu

Kooperationen in Praxen soll die Lösung sein, die dem Ärztemangel gegensteuert. Das heißt aber auch: Abkehr von der Einzelpraxis. Die Polikliniken in der DDR haben es vorgemacht – doch sie mussten vor über 20 Jahren aufgelöst werden. Wird die Entwicklung jetzt wieder umgekehrt?

Hausärzte fehlen

Besonders alarmierend ist der Ärztemangel in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, aber auch in Sachsen und Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Auf dem Land ist der Mangel an Hausärzten immer größer geworden. Bundesweit sind es rund 2.600 Hausarztpraxen, die obwohl sie dringend benötigt würden, fehlen.

Die Grundversorgung ist gefährdet

Von Arztwahl ist auf dem Land längst keine Rede mehr – man ist froh, wenn einer in tragbarer Entfernung zu finden ist. Und dann nimmt man lange Wartezeiten in Kauf. Noch schlimmer sieht dies bei den Fachärzten aus. Hier fehlen laut des Ärzteverbandes rund 2.000 bundesweit –davon allein 1.250 Praxen von Psychotherapeuten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht weiter von einer Verschärfung der Situation aus.

Viele ältere Ärzte stehen kurz vorm Ruhestand

Experten haben ermittelt, dass der Mangel an Ärzten in den nächsten 6 Jahren noch eklatant ansteigen wird, weil 51.000 Ärzte planmäßig in Ruhestand gehen. Um die Versorgungslücken zu schließen, gibt es immer wieder neue Pläne – beispielsweise die massive Werbung unter ausländischen Ärzten. Doch das führte dazu, dass es bisweilen Sprechstunden gibt, in denen man mit der Sprache deutsch nicht klar machen kann, was einem fehlt.

„Neue“ Idee

Die neue Offensive der Krankenkassen ist die Forderung nach neuen Strukturen. Die Abkehr von der Einzelpraxis wäre eine Möglichkeit, wenn dadurch mehr Varianten geschaffen werden, wie Mediziner als Angestellte arbeiten könnten. Die extreme Überforderung, die manchen Ärzten zu schaffen macht, wäre mit klar geregelten Arbeitszeiten ebenso vom Tisch.

Mehr Geld kann den Aufwand nicht wett machen

Dass manche Ärzte bis zu ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten und dabei viel Geld verdienen, kann nicht verhindern, dass Patienten auf der Strecke bleiben. Der Versuch, mit höheren Honorarzuweisungen dem Problem ein Ende zu bereiten, ist schiefgegangen.

Kooperation und Anstellungsmöglichkeiten

Das wäre eventuell eine gangbare Lösung. Jungen Ärzten würde nach dem Studium damit der Weg in eine Praxis auf dem Land erleichtert. Die Ärzteorganisationen werden von den Krankenkassen aufgefordert, hier neue Wege aufzumachen.

Keine Besserung in Sicht

Ungefähr 40 % der niedergelassenen Ärzte sind Hausärzte. Nur 11 % der im Jahr 12 ausgegebenen Facharzttitel sind Allgemeinmediziner. Damit ist klar, dass sich der Mangel an Hausärzten immer schlimmer ausbreiten wird. Und der Mangel zieht weite Kreise. Denn wenn die Hausärzte fehlen, geraten auch Physiotherapeuten und Apotheker in Schieflage, mangels ausgestellter Rezepte. Und selbst das Leute vom Land wegziehen, kann seine Ursache unter anderem im Ärztemangel haben.

Schon an der Uni gegensteuern

Schon in der universitären Ausbildung sollte gegengesteuert werden. Der Stellenwert der hausärztlichen Basisversorgung müsste hier gestärkt werden. Denn für viele der Studenten ist der Hausarzt so wenig attraktiv, dass er für seine aktive Zeit als Arzt nicht in Frage kommt. Gerade junge Mediziner wissen, wie familienfeindlich die langen Arbeitszeiten in einer Landarztpraxis sind. Dazu liegen die Einkommen dieser Mediziner ganz am Ende der Einkommensskala der Ärzte.

Der Verdienst klafft auseinander

Während ein Hausarzt im Jahr 11 ein Einkommen von durchschnittlich 138.000 Euro hatte, sind es bei einem Chirurg fast 200.000 und bei einem Radiologen rund 300.000 Euro. Innerhalb von 4 Jahren sind die Einkommen der Hausärzte um rund 20 % gestiegen, der von Chirurgen dagegen um 34 %.

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