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KKH Allianz Kassenwechsel Anrufe

KKH Allianz soll Mitglieder aus Kasse gedrängt haben

4. November 2012

KKH Allianz

KKH Allianz Telefonate

Wie das ZDF-Magazin „Frontal 21“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, soll die KKH Allianz schwer erkrankte und damit teure Mitglieder dazu aufgefordert haben, die Krankenkasse zu wechseln. In einer offenbar über Monate durchgeführten Telefonaktion sollen Mitarbeiter der KKH Allianz Versicherte angerufen haben und diese in Gesprächen zur Kündigung des Versicherungsverhältnisses aufgefordert haben.  Der Vorstand bestreitet die Vorwürfe und kündigt nun eine interne Prüfung an.

Nötigt KKH Allianz chronisch Kranke zur Kündigung und zum Kassenwechsel?

Ein an HIV erkrankter Mann soll in einem Telefonat mit einem KKH-Mitarbeiter zur Kündigung überredet worden sein. Eine an Diabetes erkrankte Frau war während des Telefongesprächs offenbar so aufgewühlt, dass diese angefangen hat, zu weinen. Der KKH Mitarbeiter vermerkte nach dem Telefonat „Kündigung liegt vor!“.

KKH Allianz: Vorstand Kailuweit will interne Prüfung einleiten

Der Vorstandsvorsitzende der KKH Allianz, Ingo Kailuweit, wies die Vorfürfe indes zurück. Er verwies stattdessen auf Telefonate im Zusammenhang mit einem Mahnverfahren wegen ausstehender Beitragszahlungen. Dennoch sagte Kailuweit gegenüber „Frontal 21“ eine interne Prüfung des Vorfalls zu. Wie Recherchen von Journalisten zwischenzeitlich ergeben haben, waren die Mahnverfahren offenbar nur ein Vorwand, da es sich zum großen Teil lediglich um ausstehende Zusatzbeiträge handelte.

KKH Allianz verlor Versicherte: Kassenwechsel nach Einführung des Zusatzbeitrag

Hintergrund für die umstrittene Telefonaktion der KKH Allianz ist offenbar eine Abwanderungswelle im Zuge der Einführung der Zusatzbeiträge und eine damit verbundene Kostensteigerung. Damals verließen rund 190.000 Versicherte die KKH Allianz, darunter offenbar vor allem junge und gesunde Mitglieder. Während die jungen und gesunden Mitglieder die Krankenkasse in Scharen verließen, blieben die alten und wirklich kranken Mitglieder zurück.

Insbesondere durch Einführung des Einheitsbetrages für alle Krankenkassen unterscheiden diese sich vielfach nur noch in Nuancen hinsichtlich der gebotenen Leistungen. Deshalb sind Zusatzbeiträge vielfach für die meisten Mitglieder ein K.O.-Kriterium in der Krankenkasse zu verbleiben. Zudem sind Zusatzbeiträge vielfach ein Indiz dafür, dass es der betreffenden Kasse hinsichtlich der Einnahmen offensichtlich nicht allzu gut geht.

GKV: Buhlen um junge und gesunde Mitglieder

Während ältere Versicherte oftmals erst auf Nachfrage Zusatzangebote der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) angeboten bekommen, erhalten junge Mitglieder insbesondere im Zuge der Mitgliederwerbung diese oftmals sogar regelrecht als Werbebonus seitens der Krankenkasse aufgedrängt. Die KKH Allianz indes widerspricht durch ihr fragwürdiges Geschäftsgebaren, nach Ansicht von Experten, dem Solidarprinzip. Diesem sind alle gesetzlichen Krankenversicherungen unterworfen. Das bedeutet, kein Mitglied darf aufgrund seines Alters, seines Geschlechts oder seiner Erkrankungen benachteiligt werden.

Experten: Verdacht der Nötigung durch KKH Allianz steht im Raum

Rechtsexperten empfehlen derweil bereits zu überprüfen, ob das Verhalten der KKH Allianz einen Verstoß gegen § 240 des Strafgesetzbuches (Nötigung) darstellt. In dem Paragrafen heißt es: „Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“. Als empfindliches Übel könnte im Zuge der durchgeführten Telefonaktion beispielsweise die Drohung mit einer Nichtzahlung einer eigentlich verpflichtend vorgesehenen Leistungserstattung herhalten.

Betroffene Versicherte: Was tun wenn die KKH Allianz anruft?

Betroffene Versicherte der KKH Allianz sollten sich indes nicht unter Druck setzen lassen, sondern sich notfalls an einen Rechtsanwalt wenden. Grundsätzlich ist jede gesetzliche Krankenversicherung dazu verpflichtet alle Antragsteller aufzunehmen, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen für die Aufnahme erfüllt sind. Ablehnungsgründe dürfen indes seitens der Krankenkasse nicht geltend gemacht werden.

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