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GKV

GKV: Krankenkassen sparen an falschen Stelle

26. Juli 2011

Krankenkassen sparen aus Angst vor Zusatzbeiträgen an den falschen Stellen, zu dieser Auffassung kommt Maximilian Gaßner, Präsident des Bundesversicherungsamts (BVA). Zwar sei die Angst nicht ganz unbegründet, allerdings sollten sich die Krankenkassen Gaßners Auffassung nach eher durch gute Leistungen statt durch günstige Beiträge von einander abheben.

 

 

Krankenkassen setzen falsche Spar-Prioritäten

Häufig setzen Krankenkassen im „Sparwahn“ falsche Prioritäten, so Gaßner. Letztendlich werde der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen allerdings auf Leistungs-und nicht auf Kostenebene entschieden. Erhebt eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag, so wird aufgrund der Angst, eine Vielzahl von Mitgliedern zu verlieren, an den verschiedensten Ecken gespart. Im Normalfall beträgt der Zusatzbeitrag 8 Euro. Dies ist für den Ottonormalverbraucher ein relativ geringer Betrag. Der größte je nachgewiesene Mitgliederschwund fand bei der mittlerweile bankrotten City BKK statt, allerdings könnten dort auch die finanziellen Umstände für eine größere Abwanderung gesorgt haben.

 

Vorsorgung statt Nachsorgung

Laut Gaßner müssten die Krankenkassen besser vorsorgen, um finanzielle Engpässe gänzlich zu vermeiden. Selektivverträge mit Haus- und Fachärzten, welche für eine überdurchschnittliche GKV-Versorgung sorgen würden, hielt Gaßner für eine sinnvolle Maßnahme, um sich von anderen Krankenkassen abzuheben. Somit hätten auch Patienten nicht mehr das Gefühl der „2. Wahl-Behandlung“. „Zufriedene Kunden würden sich auch von der Erhebung eines Zusatzbeitrages nicht vergraulen lassen“, so Gaßner.

 

 

Bessere Auflärung über Zusatzleistungen

Auch den Versicherten empfiehlt Gaßner, die Entscheidung über einen Krankenkassenwechsel nicht nur aufgrund der Erhebung eines Zusatzbeitrages zu fällen. Lieber sollten sich Versicherte an den Leistungen der eigenen Krankenkasse orientieren, da der Zusatzbeitrag kein realistisches Wettbewerbsmittel ist, Zusatzleistungen hingegen schon. 95 Prozent der Krankenkassenleistungen sind gesetzlich vorgegeben, nur rund 5 Prozent ihrer Leistungen können die gesetzlichen Krankenkassen selbst bestimmen. Zu diesen 5 Prozent gehören Leistungen wie Therapien, Vorsorgeuntersuchungen, Beratungen, Fitnesskurse und Behandlungen aus den Bereichen der Homöopathie und der Chirotherapie. Häufig mangelt es, laut Gaßner, auch an einer Bewerbung dieser Zusatzleistungen, sodass Versicherte häufig nur auf den Zusatzbeitrag schauen könnten.

 

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