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GKV

GKV: Branchenweiter Zusatzbeitrag sinnvoll?

30. November 2011

Der Zusatzbeitrag ist weder bei den Krankenkassen noch bei den Versicherten beliebt. Verständlich also, dass die gesetzlichen Kassen versuchen, die Erhebung eines Zusatzbeitrages mit allen Mitteln zu verhindern. Aktuell bilden die Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben, noch eine Minderheit in der GKV. CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn geht jedoch davon aus, dass spätestens in 2 Jahren alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben werden. Diese Ansicht gab der Politiker auf Handelsblatt-Jahrestagung in Berlin bekannt.

 

Globaler Zusatzbeitrag könnte viele Probleme lösen

Ein Zusatzbeitrag für die komplette Branche könne eine große Zahl an Problemen lösen, so Spahn. Zudem würde dies dem „Mikadospiel“ der Krankenkassen, wie Spahn es titelte, ein Ende bereitet werden. Aktuell stelle der Zusatzbeitrag in der GKV eher ein negatives Alleinstellungsmerkmal dar. Würde aber die Mehrzahl bzw. alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, so würde dieses Merkmal nicht mehr gelten. Zudem könnte man mit einem globalen Zusatzbeitrag auch die Probleme infolge einer Zusatzbeitragserhebung vermeiden. Versicherte hätten so einen Grund weniger, die Krankenkassen zu wechseln, was weniger finanzielle Schwierigkeiten für die Kassen bedeuten würde. Alleine die Deutsche Angestellten Krankenkasse verlor nach Erhebung eines Zusatzbeitrages von 8 Euro rund 460.000 Mitglieder an andere Krankenkassen.

 

Erweiterung der Satzungsleistungen 2012

Zu derartigen Situationen dürfte es jedoch nicht mehr kommen, wenn alle Krankenversicherungen einen Zusatzbeitrag erheben würden. Versicherte hätten dann keinen Grund mehr, aufgrund höherer bzw. niedriger Beiträge in eine andere Krankenversicherung zu wechseln und würden im Zusatzbeitrag lediglich ein Finanzierungsinstrument der gesetzlichen Krankenversicherung sehen, so Spahn. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz, welches zum 01.01.2012 in Kraft treten soll, plant die Koalition außerdem, die Wettbewerbsmöglichkeiten der Krankenkassen durch eine Erweiterung der Satzungsleistungen auszubauen. Dies soll den Krankenkassen helfen, selbstständiger zu agieren und den Wettbewerb weiter voran zu treiben.

 

 

Zusatzbeitrag ohne Zukunft

Die Aussage Spahns stieß jedoch auf herbe Kritik. So sagte der Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, dass seiner Ansicht nach die Zahl der Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben würden, in Zukunft nur minimal steigen dürfte. Für 2012 sei eine Zahl von maximal 13 Krankenkassen mit Zusatzbeitrag zu erwarten. Grund dafür sei der immense bürokratische Aufwand, den eine Zusatzbeitragserhebung nach sich ziehe. Daher werde sich der Zusatzbeitrag auf lange Sicht gesehen nicht durchsetzen können. Eine Abschaffung des Zusatzbeitrages sei daher laut Jacobs nicht nötig, dies geschehe durch den Markt automatisch.

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