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GKV

GKV Bericht: Jeder 2. Krankenkasse droht die Insolvenz

26. September 2011

Laut eines Berichts des Handelsblattes besitzt der in den Neunzigern eingeführte Finanzausgleich große Schwächen. Dieser soll dafür sorgen, dass Deckungslücken der gesetzlichen Krankenversicherung gedeckt werden. Nun ist allerdings ein bisher unveröffentlichter Bericht des wissenschaftlichen Beirats aufgetaucht, der dem Finanzausgleich große Deckungslücken zuschreibt. Bereits 2009 wurde der Finanzausgleich überarbeitet, da bereits in der Vergangenheit viele Krankenversicherungen unter Deckungslücken zu leiden hatten. Mit der Überarbeitung sollten ursprünglich alle Löcher gestopft werden.

 

Einheitsbeitrag soll Benachteiligung verhindern

Mit dem 2009 eingeführten Einheitsbeitrag sollte verhindert werden, dass eine Krankenkasse mit besonders vielen alten und kranken Menschen ihre Kosten nicht decken kann. Seit Einführung zahlen alle Krankenversicherung ihre Beitragseinnahmen in den Gesundheitsfond ein, aus dem dann jede Krankenversicherung eine Pauschale pro Versichertem erhält. Die Höhe dieser Prämie richtet sich nach Alter, Krankheitsstatus und einigen weiteren Kriterien.

 

Deckungslücken von bis zu 25 Prozent

Viele der Krankenkassen kommen mit den Zuwendungen aus dem Gesundheitsfond jedoch nicht aus. So komme es bei einigen Krankenkassen zu massiven Deckungslücken von bis zu 15 Prozent, so der Bericht des wissenschaftlichen Beirats. Die Einzeldeckungsquote liege bei 90,6 bis 124,8 Prozent. Dies gilt jedoch nur, wenn man jede Krankenversicherung für sich sehe. So erhalten eine Vielzahl an Krankenversicherungen rund 25 Prozent mehr Zuwendungen als sie eigentlich benötigen, andere jedoch erhielten 15 Prozent zu wenig. Dies könnte auf die Dauer zu einem großen Problem für das GKV-System werden, so das Handelsblatt.

 

„Alles laufe auf eine Einheitskrankenkasse hinaus“

Laut Aussage des IfM-Leiters Thomas Dabrinski zeigen die aktuellen Daten ganz deutlich, dass der Weg nicht an einer Einheitskasse vorbeiführe.  Bereits in der Vergangenheit wurde dieser Schritt häufig diskutiert. „Nimmt man die Daten des Berichts ernst, so befinde sich bereits heute rund die Hälfte aller gesetzlichen Krankenversicherungen in akuter Insolvenz-Gefahr“, so Dabrinski.

 

 

Bundesgesundheitsministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Der wissenschaftliche Beirat kritisierte außerdem das Vorhaben der Koalition, den Kostenausgleich von 80 verschiedenen Krankheiten auf 40-50 Krankheiten zu reduzieren. Pläne für eine Weiterentwicklung des Kostenausgleichs wolle man jedoch auch weiterhin unterstützen. Eine erneute Krankenkassenreform ist jedoch vorerst nicht geplant, gab das Bundesgesundheitsministerium bekannt. Ein akuter Handlungsbedarf lasse sich aus dem kürzlich vom wissenschaftlichen Beirat veröffentlichten Bericht nicht ableiten, so eine Sprecherin.

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