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Medikamentenpreise 2013

Gesetzliche Krankenversicherung kritisiert teure Medikamente

12. Dezember 2013

GKV Spitzenverband zu teuren Medikamenten

Die gesetzliche Krankenversicherung kritisiert hohe Arzneimittelpreise

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kritisiert extreme Preissprünge bei Medikamenten. Dies berichtet das ARD Magazin „Kontraste“. Unterstützt wird die GKV dabei vom Gesundheitsexperten der SPD, Prof. Dr. Karl Lauterbach. Konkret geht es den Krankenkassen um die freie Preisbildung bei Medikamenten, die bereits bekannte Wirkstoffe im selben Mischungsverhältnis enthalten und nun für die Behandlung anderer Krankheitsbilder als jener, für die sie ursprünglich entwickelt wurden, herangezogen werden.

Denn anders als bei vollständig neuen Medikamenten gibt für die bereits eingeführten Wirkstoffrezepturen, bei denen sich lediglich der Name geändert hat, keine Preisverhandlungen zwischen Arzneimittelherstellern und der gesetzlichen Krankenversicherung – mit teuren Folgen für Patienten.

Der Auslöser des GKV Protestes

Stein des Anstoßes für den Protest der gesetzlichen Krankenversicherung ist das Medikament „MabCampath“, das vom Arzneimittelhersteller Sanofi viele Jahre lang als Medikament zur Behandlung von Leukämie erzeugt wurde und auf dem Wirkstoff Alemtuzumab basiert. Sanofi nahm das Medikament vor einiger Zeit vom Markt, kürzlich tauchte es unter einem neuen Namen („Lemtrada“) wieder auf, allerdings wird es nun von der Firma Genzyme produziert und zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose eingesetzt.

Wirkstoffpreis verfielfacht sich

Dies wäre so weit nichts Aufsehenerregendes, wäre Genzyme nicht eine direkte Tochtergesellschaft des Herstellers Sanofi und vor Allem: Hätte sich der Preis des Wirkstoffes nicht plötzlich um ein Vielfaches erhöht. Insgesamt hat sich der Preis für ein Milligramm Alemtuzumab nämlich vervierzigfacht. Kostete das Milligramm Alemtuzumab, solange es im Medikament „MabCampath“ verarbeitet wurde, noch 21 Euro, kostet es nun unter dem Namen „Lemtrada“ 887 Euro.

GKV Spitzenverband kritisiert Marktrücknahme von „MabCampath“

Besonders prekär: Beide Medikamente werden zur Behandlung von schwerstkranken Menschen eingesetzt und zwar mit Erfolg. Der GKV Spitzenverband kritisiert darum bezüglich der Marktrücknahme von „MabCampath“ zu Recht dass „der Unternehmer die aktuelle Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen getroffen hat … Denn es waren keineswegs Bedenken zur Wirksamkeit oder Sicherheit des Arzneimittels, die diese Entscheidung begründeten“. Auf diese Weise werde Leukämie Patienten ein wirksames Medikament vorenthalten, und zwar aus wirtschaftlichen Motiven.

Ärzte greifen Preispolitik von Medikamenten scharf an

Auch Ärzte kritisieren die Preispolitik des Arzneimittelherstellers Genzyme. Prof. Dr. Wolf Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, fand gegenüber „Kontraste“ ungewohnt scharfe Worte: „Dieses Arzneimittel wird seit Mitte der Neunziger Jahre in der Klinik erforscht. Die Entwicklungskosten für dieses Arzneimittel, auch die Kosten für die klinischen Studien, rechtfertigen diesen hohen Preis nicht. Ich glaube, es ist eindeutig das Profitstreben des pharmazeutischen Unternehmens und die Lukrativität des Marktes.“.

Lücke in der „Nutzenbewertung“ für überteuerte Medikamente mitverantwortlich

Möglich werden solche Preissprünge bei Medikamenten durch eine Lücke innerhalb der sogenannten Nutzenbewertung. Diese sieht vor, dass neue Medikamente, die bereits bekannte Wirkstoffe enthalten, der freien Preisbildung unterliegen. Der SPD Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach kritisiert im Interview mit „Kontraste“, die momentane Regelung setze „vollkommen falsche Anreize und lenkt die Forschung in das Recyceln von alten Produkten, die dann teurer neu auf den Markt kommen“. Die gesetzlichen Krankenkassen fordern nun, diese Lücke zu schließen und die allgemeigültigen Regelungen der Nutzenbewertung auch auf Medikamente mit bereits bekannten Wirkstoffen auszudehnen, also mithin Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Krankenversicherung vorzusehen.

PKV Verband kritisiert seit Längerem hohe Medikamentenpreise

So recht der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung mit seinem Protest auch hat, Kritik an sehr hohen Medikamentenpreisen ist nicht neu. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV Verband) hat bereits in der Vergangenheit mehrfach öffentlich Stellung gegen hohe Arzneimittelpreise bezogen. Trotz des in Deutschland geltenden, zweigliedrigen Gesundheitssystems und mancher Unstimmigkeit zwischen PKV und GKV Spitzenverband wären die Arzneimittelpreise ein typisches Feld, in dem beide Parteien nach dem Motto „Einigkeit macht stark“ durch intensive Zusammenarbeit etwas Positives für ihre Versicherten erreichen könnten.

Informationen zum Vergleich der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung können Sie hier lesen

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