zum Inhalt

Politik

Bürgerversicherung: Zweifel an SPD-Modell sind groß

7. Dezember 2011

Am gestrigen Dienstag verabschiedete die SPD auf dem Parteitag in Berlin ihr Konzept zur Bürgerversicherung. Dieses Modell soll bei einer Wahlmehrheit der SPD im Jahr 2013 das jetzige duale System von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ablösen.

 

SPD sieht zusätzliche Bürgerversicherung für Pflegeversicherung vor

Neben einer Bürgerversicherung für die Krankenversicherung plant die SPD auch eine Bürgerversicherung für die Pflegeversicherung in Deutschland. Für die privaten Krankenversicherer würde es dann ab einem bestimmten Stichtag einen Aufnahmestopp geben. Neue Mitglieder könnten sich dann lediglich in der Bürgerversicherung versichern. Mitglieder einer privaten Krankenversicherung hätten jedoch die Möglichkeit, innerhalb einer Wechselfrist in die Bürgerversicherung zu wechseln. Zwar können die privaten Krankenversicherer noch neue Mitglieder aufnehmen, die Konditionen bzw. die Verträge sollen jedoch denen der gesetzlichen Krankenversicherung gleichen.

 

Gerechte Finanzierung – Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen sich Beiträge teilen

Zudem soll mit Einführung der Bürgerversicherung die Finanzierung des Systems wieder zu 50 Prozent auf die Arbeitgeber sowie zu 50 Prozent auf die Arbeitnehmer entfallen. Aktuell leisten die Arbeitgeber den größeren Anteil zur Kranken- bzw. Pflegeversicherung. Um die Arbeitnehmer jedoch zu entlasten, ist eine Abschaffung der Zusatzbeiträge vorgesehen. Der Hauptgrund der für das Bürgerversicherungsmodell spricht, sind Einsparungen in Milliardenhöhe. Angesichts des hohen Kostenanstiegs innerhalb des Gesundheitswesens, wäre eine Senkung der Kosten ein großer Fortschritt. Der demografische Wechsel könnte den Demografen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Die Finanzierung der GKV hat aktuell ihre Grenzen erreicht, die Frage ist nun, wie der Einbezug der rund 9 Millionen Privatversicherten das gesamte deutsche Krankenversicherungssystem sanieren soll. Viele Experten befürchten lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein. Die Probleme des demografischen Wandels sowie der steigenden Kosten für Entwicklung und Versorgung dürften die Kassen jedoch auch in Zukunft stark belasten.

 

 

Große Mehrbelastung bei Gutverdienern

Die stärkste finanzielle Belastung durch die Bürgerversicherung dürften aufgrund der gerechten Finanzierung vor allem Gutverdiener im Bereich zwischen 45.000 und 60.000 Euro zu spüren bekommen. Zwar liegt das Einkommen in diesem Bereich über dem Durchschnitt, jedoch dürfte eine Mehrbelastung von bis zu 300 Euro/Monat nicht auf all zu viel Zustimmung bei treffen. Ob es jedoch überhaupt zu einer Bürgerversicherung kommen wird, wird sich frühestens bei den Bundestagswahlen 2013 entscheiden.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie