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Gesundheit

Brustimplantate: Ärzte müssen nur bei falscher Aufklärung haften

13. Januar 2012

Aufgrund der aktuellen Geschehnisse rund um die fehlerbehafteten Brustimplantate der französischen Firma PIP fordert der geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbandes eine Reform des Medizinproduktegesetzes. Nur so könne erreicht werden, dass man den Patienten sichere Medizinprodukte anbieten könne und das Vertrauen der Patienten wieder hergestellt werde. Auch die Frage nach den Kosten ist noch nicht ganz geklärt. Ärzte hätten jedoch keine Kosten zu befürchten, wie ein Medizinrechtler nun aufklärte. 

 

Kostenübernahme bei medizinisch notwendigen Implantaten

Wurde ein Brustimplantant aufgrund einer Krankheit implantiert, so übernehmen die Krankenkassen, gesetzlich sowie privat, die Kosten für die anfallende Operation sowie die neuen Implantate. Anders sieht es da jedoch bei ästhetischen Eingriffen, also sogenannten Schönheitsoperationen aus. Medizinrechtler Dr. Frank A. Stebner sagte dazu: „Der Fall ist eindeutig klar. In so einem Falle hätten sich die Krankenkassen zu einem angemessenen Anteil an den Kosten für die Operation zu beteiligen. Dies geht aus § 52 Absatz 2 des SGB V hervor. Erst am Mittwoch hatte Bundesärztepräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery zu bedenken gegeben, ob diese gesetzliche Regelung tatsächlich für die aktuelle Situation berücksichtigt werden könne, da durch die fehlerhaften Implantate nun ein echter Krankheitsfall vorliege.

 

Kostenfrage bei Schönheitsoperationen weiterhin ungeklärt

Der Sprecher des GKV-Verbandes, Florian Lanz, ging sogar so weit, zu sagen, dass Ärzte bei einer erneuten Operation nicht auf den Kosten ihres ärztlich-unternehmerischen Handelns sitzen gelassen werden sollten. Dieser Aussage widersprach Medizinrechtler Stebner jedoch, da Patienten durchaus über bestehende Risiken einer Brustoperation aufgeklärt würden. Eine Abwälzung der gesamten Kosten für die Entnahme der Implantate auf die Sozialkassen hält Stebner ebenfalls für nicht richtig. Auch wenn das BfArM eine Empfehlung zur Entnahme der Silikonkissen ausgesprochen habe, lag für die Implantation keine gesundheitliche Notwendigkeit vor. Daher sollten sich Patienten fair an einer Entnahme beteiligen. Da die jedoch auch Fehler bei der Kontrolle der Implantate gemacht wurden, komme unter Umständen auch eine Staatshaftung in Frage.

 

 

Ärzte haften nur bei falscher Aufklärung

Jedoch sei auch in der gesetzlichen Krankenversicherung das Geld knapp. Es könne nicht sein, dass nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus eigener Tasche bezahlt werden müssten, die Kosten für eine Folge-OP einer Schönheitsoperation aber von den Kassen übernommen würden, so Stebner. Sollte ein Arzt jedoch bei der Beratung seiner Patienten einen Fehler gemacht habe, so müsse dieser auch für diese einstehen.

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