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GKV

Ärztetag: Ärzteschaft diskutiert duales System

23. Mai 2012

Auf dem aktuellen Ärztetag sprachen sich die Mediziner für eine Abschaffung der Praxisgebühr, aber gegen einen Systemwechsel aus. Der Standpunkt deckte sich dabei mit dem des Gesundheitsministers Daniel Bahr, während es für die Opposition nur Kritik gab. Neben Bahr forderte auch der Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery, die private Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form zu erhalten und keinen Systemwechsel einzuleiten. Der Wechsel zum angestrebten Modell der Opposition, der Bürgerversicherung, bringe mehr Nachteile mit sich, als das es Probleme lösen würde.

 

Demografierücklagen für die gesetzliche Krankenversicherung

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, äußerte sich zum Thema private Krankenversicherung. Er forderte zudem, ähnlich wie in der PKV auch in der gesetzlichen Krankenversicherung Demografierücklagen zu bilden. Einen einfachen Wechsel der gesetzlichen Krankenversicherung in ein privates System hält Spahn zudem für falsch, da häufig ein falsches Bild von der privaten Krankenversicherung vermittelt werde. So seien nur wenige Selbstständige und Beamte Gutverdiener, so Spahn. Allerdings kritisierte Spahn die PKV auch ein Stück weit. So habe sich das System in den letzten eher vertriebsmässig orientiert, anstatt einen gesteigerten Wert auf die Versorgung zu legen.

 

Lauterbach: „Innovationsfluss dürfe nicht unterbrochen werden“

Im Gegensatz zu Spahn und Montgomery warb der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, für das Modell der Bürgerversicherung. Aufgrund des anhaltenden demografischen Wandels sei es in rund 10 Jahren nicht mehr möglich, die Systeme in ihrem jetzigen Zustand zu finanzieren. Die Finanzierung der Bürgerversicherung sehe jedoch eine Finanzierung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen vor. Zudem ist es vorgesehen, Steuerzuschüsse für die Finanzierung zu nutzen. Zudem sprach Lauterbach auch die Befürchtung vieler Mediziner an, die Angst um ihre Einkünfte haben. „Man müsse darauf achten, dass die Bürgerversicherung den derzeitigen Innovationsfluss nicht unterbreche und zudem nicht die Einkünfte der Mediziner gefährde“, so Lauterbach.

 

 

Neues Vergütungsmodell – näher an den tatsächlichen Kosten

Zudem erklärte Lauterbach, benötige das System ein anderes Vergütungssystem. Man müsse die Vergütung  näher an den tatsächlichen Kosten halten, als an einem Bewertungsmaßstab. Von einer derartigen Lösung würden beide Seiten profitieren. Für Patienten und Versicherte wären Abrechnungen deutlich transparenter und für Ärzte würde dies zu weniger Bürokratie führen. Abschließend erklärte Lauterbach zudem, man wolle sich als SPD nicht gegen die Meinung der Ärzteschaft durchsetzen, sondern die Bürgerversicherung gründlich mit ihnen diskutieren, um das Modell für alle Beteiligten noch attraktiver zu gestalten.

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